Deutsche in Peru

Hola,

ziemlich abenteuerliche 24 Stunden haben wir hier nun verlebt. Unsere Hotel-Wahl stellte sich abends als die Fehlentscheidung des Tages heraus. Scheinbar steht in ALLEN Reisefuehrern dieser Welt, dass dieses Hotel laut ist. NUR in unseren beiden wird es als gut und billig gefuehrt. Der Eklat ging abends um acht los, als Musik den ganzen Hof und damit unsere Zimmer, die durch ein hoelzernen Lattenrost und ein Insektenschutznetz „abgedichtet“ waren, beschallte. Es sollte noch bis 0:00 dauern, bis die immer lauter werdende Musik abgestellt wurde. Dabei waren die Baesse durchdringend und so stark, dass unsere Betten mitvibrierten. Naja, die Konsequenz sollte ein Hotelwechsel am naechsten Morgen sein.
Am naechsten Morgen sind wir also die naechsten Hotels des Reisefuehrers abgefahren und haben die wohl schoensten Paradiese mit den wohl teuersten Preisen gefunden. AUSHALTEN! war unser Gedanke, schliesslich war es 0:00 ja ruhig.
Nach dem Fruehstueck wollten wir dann zu der Farm von Heidi Ritter fahren, die fuer ein paar Soles Reitausfluege in die Umgebung anbieten sollte. Ein Taxi-Fahrer wollte spontan 15 Soles und lies sich auf 10 herunterhandeln. Am Eingang zu einem Gebiet, in dem sich ihre Farm befand, wurden wir darauf hingewiesen, dass das Reiten nicht mehr moeglich sei. Nach kurzem Ueberlegen sind wir dann doch weitergefahren, weil Deutsche in Peru manchmal sehr einzigartig sind und man sich mit ihnen meisst nett unterhalten kann. Angekommen kam sofort der Angestellte und bat uns herein. Heidi ist eigentlich ganz nett und wir haben ueber einiges plaudern koennen. Auch darueber, dass sie schon lange keine Pferdetouren mehr macht und die Info nur im Reisefuehrer steht, damit sie etwas Besuch aus Deutschland bekommt. Wir kamen auch darauf zu sprechen, dass unser Hotel so laut war. Als sie fragte, ob wir im „Sol y Mar“ wohnen und wir dies bestaetigten, sagte sie nur „Ja, seids ihr verrueckt?“. Da es kurz vor halb zwoelf war und wir unsere Zimmer bis 12:00 haetten raeumen muessen, ueberlegte sie kurz und bot uns an, dass wir fix zum Hotel fahren und das Gepaeck erst einmal bei ihr unterstellen sollten („um Zeit zu gewinnen, denn dort muesst ihr raus“). Sie schickte auch ihren Angestellten mit, der mit dem Taxifahrer noch die ganze Zeit lang ueber den Preis verhandelte. Der, so stellte sich heraus, hatte wieder einen ordentlichen Gringo-Zuschlag verlangt. Als wir dann unser Gepaeck bei ihr deponiert hatten und leckern deutschen Eintopf aus peruanischen Zutaten gegessen hatten, sind wir nochmal mit Ponjo losgefahren, um ein anderes Hotel zu suchen und er sollte uns bei den Verhandlungen helfen. Ein Einheimischer an der Seite ist immer was feines bei Taxen und sonst auch. 😉
Dann haben wir einen bezahlbaren Traum gefunden, der auch ruhig zu sein scheint.
Also wieder zurueck zur Farm. Heidi hatte uns in der Zwischenzeit Pferde und Fuehrer besorgt, die spaeter kommen sollten. Dann haben wir uns ein bischen unterhalten und das Haus angeschaut. Ihre Geschichte ist, dass sie vor mehr als zehn Jahren eine Weltumseglung mit ihrem Mann vorhatte und nach 5 Jahren einfach in Nordperu geblieben ist. Jetzt lebt sie dort ohne Strom mit hundert Huehnern und einer Riesensammlung exotischer Papageien (sehr sehenswert).
Dann sind wir also geritten. Dem Fuehrer auf einem dritten Pferd wurde noch kurz gesagt, dass wir nicht reiten koennen und dann gings auch schon los. Am Anfang gab es ein paar Probleme, weil die Pferde etwas stoerrisch waren immer wieder einen Ansporn brauchten und wir es auch nicht konnten (wir hatten die Zuegel ja selbst in der Hand). Es ging dann langsam in normalem Schritt voran. Dann fragte uns der Fuehrer, ob wir noch schneller moechten. Als wir das bejahten, dann Trabten wir dahin und ich dachte so, dass wieder eine Sache auf der Liste der noch in meinem Leben zu machenden Dinge abgehakt werden kann: Einmal schnell auf einem Pferd reiten. Nach einer kurzen Rast machten wir uns wieder auf den Rueckweg. Jetzt waren die Pferde richtig motiviert und wir trabten also durch die traumhafte Landschaft. Ich hatte auch langsam etwas gelernt, wie diese Pferde denn so funktionierten und entschloss in meinem jugendlichen Leichtsinn und meiner steten Risikofreudigkeit, noch ein bischen mehr Gas zu geben. Das Resultat war, dass ich wieder eine Sache auf der Liste abhaken konnte: Einmal auf einem galoppierenden Pferd sitzen. Schoen ist, dass man die etwas unangenehmen Hoppler des Trabes nicht mehr hat. Das Problem ist, dass Galopp=SCHNELL!. Anfangs machte das auch richtig Spass. Nur irgendwann reizte der Hund von Heidi, der uns die ganze Zeit begleitete, das Pferd und es beschleunigte noch einmal. Ich vermutete, dass ich gleich „von einem Pferd abgeworfen worden sein“ abhaken kann und mein Nachdenken wurde nur durch einen mit Blaettern besetzten dicken Ast unterbrochen, unter den ich mich noch durchducken konnte. Dann habe ich wieder Kontrolle ueber das Pferd bekommen. Aber eigentlich macht Galopp richtig Spass …
Als wir dann wieder bei Heidi angekommen waren, vermachten wir als Dankeschoen ein Buch, das wir beide schon ausgelesen hatten (deutsche Buecher sind in Peru eine Raritaet!) und fuhren ins Hotel. Nachdem wir heute mal Pizza mit Biscuit-Teig gegessen haben (waeaeaeaeh!), sitze ich heute vor einer Tastatur, die mir das Schreiben alles andere als einfach macht. Ich bitte die Tippfehler zu entschuldigen.
So, jetzt geht es aber ins schoene Hotel mit Pool unter Palmen. 😉
In diesem Sinne: hasta mañana,

Matthias

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2 Responses

  1. Gisela Rack sagt:

    Hola Matthias,
    habe mit Humor von eurer Pferdetour gelesen.Das war sicher schön.Ich möchte diesen Sommer mit einer Freundin Peru bereisen und suche nach Tipps….wir wollen nach Lima fliegen und von dort mit einer Reisegruppe auf Spuren der Inkas reisen.Wie finden wir eine Passende Reiseführung?Kennt ihr Deutsche in Peru,die so etwas interessant und schön organisieren?
    Herzliche Grüße und alles Gute
    Gisela

    • Matthias sagt:

      Hallo Gisela,

      ich organisiere mir meine Urlaube in Suedamerika immer alleine … insofern kann ich dich nur auf den sehr guten Reisefuehrer ‚Peru & Bolivien‘ vom Reise-Know-How-Verlag verweisen. Enthalten darin sind auch Informationen zu Reiseveranstaltern, obwohl sich dieser Reisebegleiter vornehmlich an Individualtouristen richtet.

      Beste Gruesse,

      Matthias

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