Huaraz, die vorletzte

Hola,

heute war ein mit den Anstrengungen der letzten Tage verglichen etwas ruhigerer Tag. Aber zunaechst noch ein Nachtrag:
Gestern hat sich bei uns das liebevolle Wort „Geruchs-Chameleon“ entwickelt, welches diejenigen Personen in den Colectivos bezeichnet, die einmal nach Kartoffelchips, dann nach alter Milch und dann z.B. nach Salami riechen. Ich moechte aber betonen, dass es wirklich liebevoll gemeint ist.
Heute haben wir uns auf Spuren der Ureinwohner Suedamerikas begeben und einen Kultur-Tag, im Gegensatz zu den letzten Natur-Tagen verbracht. Unser heutiges Ziel war Chavin de Huantar. Etwa gegen 9:30 fuhr unser Touristenbus ab. Zunaechst ganz entspannt auf Asphalt durch das Rio-Santa-Tal, welches Cordillera Blanca von Cordillera Negra trennt. Nach etwa 20 Minuten hielt unser Bus an einer kleinen Cafeteria, wo sich alle Mate de Coca bestellen konnten. Da ich bisher keine Probleme mit der Hoehe hatte und ich nicht wirklich scharf auf diese Teesorte bin, habe ich mich lieber vor der Tuer mit einem Franzosen ueber die Schwierigkeiten unterhalten, die sich einem bieten wenn man englisch sprechen will und alle Praepositionen auf spanisch dazwischen mixt.
Dannach sind wir in die Cordillera Blanca hineingefahren in Richtung eines Passes, der mit 4581m angegeben war. Zwischendurch konnten wir einige Male aussteigen, um an einigen traumhaften Stellen Fotos zu machen.
Angekommen am Pass, stellten wir fest, dass dieser ein Tunnel war. Bis hier klingt alles gut, doch dieser Tunnel war eine in den Fels gesprengte Roehre, die gerade so gross war, dass ein Bus hindurchpasste. Ausserdem war es im inneren stockdunkel (Tim haette mit ziemlich grosser Wahrscheinlichkeit gesagt: „Dunkel, wie in nem Baerenar…“, wobei ich ihm seine Erfahrungen gerne glaube).
Am Ende dieser 500m-Roehre angekommen, blickten wir auf ein wunderschoenes Tal, welches diesmal Haenge mit reger Vegetation als Abgrenzung hatte. Und kaum ist man mal weg vom Zentrum, wird die Strasse erbaermlich schlecht. Aber das war ja nix neues. Irgendwann kamen wir dann in Chavin an, einer kleinen vertraeumten Stadt mit einer schoenen Plaza de Armas. Unser Interesse galt aber zunaechst einem Ausgrabungsgebiet, welches etwa 5min ausserhalb war. Dort konnte man die Reste einer Kultur sehen, die hier ihr Zentrum hatte (Chavin=Zentrum). Zentrum ist hierbei wirklich lokal zu sehen, denn diese Staette liegt genau auf der Haelfte des Weges von Kueste bis Urwald und in der Mitte der Nord-Sued-Ausdehnung des Einflussgebiets der Chavin-Kultur. Prinzipiell kann man an dieser Ausgrabungsstaette Gebaeude und Bauten entdecken, die religoesen Zwecken dienten. Aber besonders interessant ist wieder die Bauweise gewesen. Bspw. wurden hohe Waende mit 7 Grad Neigung gebaut, damit sie einem Erdbeben standhalten koennen. Zum anderen bietet diese Anlage einen riesengrossen Verbund von Kanaelen und Roehren, die fuer Kanalisation und Belueftung benutzt wurden. Belueftung wurde dabei fuer die unterirdischen Kammern benoetigt, die sich unter der Anlage wie ein Labyrinth vernetzt befinden.
Danach gings wie immer bei solchen viajes organizados in ein Restaurant, welches der Guide auswaehlte und von welchem er ziemlich sicher Provision erhielt. Wir haben uns eine kleine Inca-Kola geteilt, weil wir beim Fruehstueck schon Broetchen geklaut hatten ;-).
Die Rueckfahrt war recht unspektakulaer, weil um 18:00 wieder die Sonne aus dem Zenit heruntergefallen war und Dunkelheit die schoene Aussicht zunichte machte. Doch eine Sache werde ich mich noch lange erinnern: Der Busfahrer hatte an einer Bruecke ein Schlagloch uebersehen und ist mit voller Fahrt da hineingerauscht. Das Resultat war, dass alle Passagiere das hinteren Teils fuer einen Moment einige Dezimeter von ihrem Sitz entfernt ware. Da wir ganz hinten sassen, haben wir diesen kurzen Moment voll auskosten koennen.
Nun sitze ich wieder im Internet-Cafe, heute mit versiffter Tastatur und eine Gruppe komischer Leute um mich herum lenkt mich von meinem Schreiben durch lautstarkes Lachen und Labern sehr ab. Ich habe deswegen auch keine Lust, mein Geschriebenes heute nochmal nach Fehlern zu durchforsten. Es sei mir verziehen 😉

In diesem Sinne: Hasta luego,

Matthias

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