Grenzerlebnis am Misti

Hola nochmal,

ich habe zwar just einen Beitrag geschrieben, doch diesem wichtigen Erlebnis möchte ich einen eigenen widmen.

Misti also!
Nachdem es pünktlich um 8 Uhr losgehen sollte, wartete ich ungeduldig vor meinem Hotel auf meinen Jeep zum Chachani. Etwas später als vereinbart kam dann 08.30 Uhr(!) der Jeep.
Es wurde mir kurz erklärt, dass heute keine Tour zum Chachani ginge, weil ich der einzige sei, der dieses Vorhaben hatte. Es ging dafür zum Misti. Das war mir natürlich sehr recht. Eine Österreicherin, ein Franzose und ein Dresdner(!) gesellten sich dazu und wir erhofften uns ein spannendes Abenteuer. Nunja, zunächst einmal haben wir uns über unsere Höhenakklimatisierung Gedanken gemacht. Bei einer Reiseagentur, die ich bis dato nicht kannte, wurden mir noch ein Paar wärmende Handschuhe geliehen. Meine Quechua-Handschuhe empfanden sie als zu dünn, obwohl sie doch sehr nett anzusehen sind.
Unser 22-jähriger Guia Teo stieg noch in den Jeep ein und unsere Sachen fanden auf dem Dach Platz.

Und los!

[inspic=36,right,gal,thumb] Wir fuhren auf 3415m und dort sollte unsere Tour beginnen. Einige traumhafte Blicke der umliegenden Berge konnte man erhaschen.
Zunächst ging es zum aufwärmen einige hundert Meter im leicht ansteigendem Gelaende vorwärts. Einige seltsame Insekten verfolgten uns. Sie hatten die Größe einer Biene und am Maul einen langen Rüssel. Da dieser zunächst wie ein Stachel aussah, waren wir doch beunruhigt. Fortan saugten uns diese Tiere am ganzen Körper ab. Später konnte man eine Pflanze sehen, die eine sehr tiefe Blüte hatte, so dass man nur mit einem langen Rüssel an den Nektar kommt. Vielleicht gibts ja einen Zusammenhang.
Wir wanderten nun am Fuße des Misti genau auf diesen zu. Nach einiger Zeit und einigen Höhenmetern wurde es immer kühler und anstrengender. Mit jedem Schritt gewannen wir etwa 20cm an Höhe, aber verloren auch dementsprechend Luftdruck. Nach einiger Zeit merkte ich wieder einmal, wie die dünne Luft doch den Koerper beeinträchtigt und die Schritte anstrengender wurden.

Unser Nachtlager
[inspic=37,right,gal,thumb] Etwa gegen 16:00 erreichten wir unser Nachtlager auf 4400m Höhe. Nunja, die Höhe machte mir schon zu schaffen und das Erreichen des Nachtlagers paarte sich zuweilen mit der Frage nach dem Sinn der Aktion. Schließlich hatten wir schon ca. 1000 Höhenmeter absolviert und 1400m waren noch vor uns. Wir betrachteten den Gipfel und insgeheim dachte ich an die Höhe des Fichtelberges. Ein Abendbrot war im Preis enthalten und so servierte uns Teo frisch gekochte Grießsuppe mit Ei sowie Spaghetti mit Thunfisch und Tomatensoße. Beides außerordentlich lecker.
[inspic=38,left,gal,thumb]Das Quecksilber steuerte den Gefrierpunkt (und das im Sommerurlaub ;-)) an und der Zeltaufbau gestaltete sich auf Grund des schwierigen Terrains als langwierige Aktion. Es fing an mit Schneien, ein Grund mehr, das Zelt sicher zu stabilisieren. Aber auch ein Grund der Freude, schließlich war ich ziemlich überascht, dass der Misti bei meiner Ankunft in Arequipa nicht weiß war. Nun hatte er eine kleine weiße Haube. Der Schnee kam aus den Wolken, die sich im Laufe der Zeit über uns zusammengezogen hatten und am Abend für ein faszinierendes Naturschauspiel sorgten. Das ganze Tal um Arequipa war überdeckt von einer Wolkenschicht und aus ihr ragten nur die im Schein der untergehenden Sonne wie Schatten wirkenden Spitzen der umliegenden Gipfel. Ich hatte das Gefühl, auf Inseln in einem Meer zu blicken.
Es war kalt geworden und wir zogen uns zum Schlafen in unsere Zelte zurück.

Vor dem Morgengrauen
[inspic=39,right,gal,thumb] Der Tag war gerade eine Stunde alt, als wir liebevoll von Teo geweckt wurden. Als wir aus dem Zelt krochen, bot sich ein atemberaubender Blick über das Lichtermeer von Arequipa unter klarem Sternenhimmel. Es war verdammt kalt. Aber um den Kreislauf in Schwung zu kriegen und der Kälte der Nacht entgegenzuwirken, kochte Teo bereits heißen Maté de Coca. Es gab Brötchen mit Tütenmarmelade. Keine Schlechte Idee, aber nicht 01:30 Uhr. Wir packten das Nötigste zusammen und starteten gegen zwei unseren Gang zum Gipfel; Stirnlampen und der Mond erleuchteten uns den Weg. Es waren anstrengende Wege und der Höhenmesser bewegte sich nur sehr langsam in Schritten von hundert Metern. [inspic=40,left,gal,thumb]Als wir die Hälfte geschafft hatten und wir eigentlich schon sehr geschafft waren, ging die Sonne auf. Traumhaft, wie das Tal langsam mit Licht durchflutet wurde. Ich erinnerte mich an den ersten Morgen in Arequipa und wie die Sonne über dem Misti aufging. Wir waren auf der falschen Seite. [inspic=41,right,gal,thumb]Dennoch konnte man im Morgennebel den dreieckigen Schatten des Misti erkennen, welcher dann immer größer und genauer wurde. Wir waren wieder neu motiviert, trotz der Anstrengungen weiterzugehen.

Dem Gipfel so nahe
[inspic=42,left,gal,thumb] Noch lagen einige hundert Höhenmeter vor uns, das Wasser unserer Flaschen beinhaltete nun einige Eiskristalle. Es war richtig kalt geworden. Auch traten bei einigen Kopfschmerzen auf Grund der Höhe auf. Mich befiel immer wieder ein kleiner Kopfschmerz, den ich mit tiefem Atmen beseitigen konnte. Aber mein Herz raste schon die ganze Zeit. Seit wir die 4000m am Vortag erreicht hatten, konnte ich es immer ganz deutlich spüren, sogar im Schlaf. Ich stellte mich auf Herzmuskelkater ein. Wir mussten uns immer wieder gegenseitig motivieren, mit Schokolade und guten Worten, denn die Anstrengungen waren enorm. Mit jedem Höhenmeter nahmen sie zu. In den Pausen träumten wir vom Gipfelsieg.
Je näher wir dem Gipfel kamen, desto intensiver wurde der Schwefelgeruch und wir wussten, dass das Ziel nahe ist. Unser Guia teilte uns mit, dass wir bis zum Krater noch eine halbe und bis zum funkelnden Gipfelkreuz noch eine gesamte Stunde benoetigen würden. Einen Gefährten mussten wir zurücklassen, ihm waren die Anstrengungen zu groß geworden.

Der Gipfel
[inspic=43,right,gal,thumb] Die nächste Stunde war für mich als Höhenneuling eine wahre Tortur. Es kostete die letzte Kraft und benötigte den noch wichtigeren starken Willen. [inspic=44,left,gal,thumb]Nach sechs Stunden und 30 Minuten an diesem Morgen erreichten wir gegen 08:30 den Gipfel auf 5825m nachdem wir 2400m gestiegen waren. Ein wahres Gefühl der Freude. Wir fielen uns in die Arme und wünschten uns in sämtlichen Sprachen „Berg-Heil“. Wir wurden mit einer traumhaften Aussicht auf die umliegenden Berge und Vulkane belohnt. Nicht zuletzt beeindruckte mich der riesige Krater des Misti, von welchem immer wieder Schwefelwolken aufstiegen. Man kann es kaum in Worte fassen.

Heimwärts
[inspic=45,right,gal,thumb]Der Abstieg war in einer knappen Stunde geschafft. Durch eine Sandrinne und ein kurzes Stückchen Weg erreichten wir das Basislager. Wir packten unsere Sachen und genossen einen letzten Blick auf den Giganten aus solcher Nähe. Eine sonderbare Stille kehrte auf einmal ein.
Der Rückweg bis zum Jeep kam mir länger vor. Aber nach einer reichlichen Stunde wurden wir mit leckeren Kaltgetränken erwartet und fuhren zurück nach Arequipa.

Ich freute mich nicht mehr auf eine heiße Dusche, weil es in Arequipa schon wieder bullig warm war. Mein Hotel sollte auch keine solche haben. Jedoch liegt meinem neuen Zimmer eine Dusche gegenüber, die zwei Wasserhähne hat und mir bis dato noch nicht aufgefallen war. Sie war warm und mir war es recht.

Heute habe ich von der Plaza aus noch einmal den Weg auf den Misti verfolgt und ich konnte es gar nicht richtig glauben, heute früh da oben gewesen zu sein. Für mich ist ein Traum in Erfuellung gegangen …

Liebe Grüsse, Matthias

GPS-Daten unserer Route

Anfahrt
S 16 23.547 W 71 26.557
2903m

Ausgangspunkt
S 16 20.760 W 71 25.216
3415m

Wegpunkt
S 16 20.275 W 71 24.945
3685m

Wegpunkt
S 16 20.162 W 71 25.023
3760m

Wegpunkt
S 16 19.634 W 71 24.946
4044m

Wegpunkt
S 16 19.454 W 71 24.899
4191m

Wegpunkt
S 16 19.331 W 71 24.850
4298m

Basislager
S 16 19.033 W 71 24.951
4440m

Wegpunkt (Basislager 2)
S 16 18.808 W 71 24.953
4526m

Wegpunkt
S 16 18.772 W 71 24.925
4652m

Wegpunkt
S 16 18.684 W 71 24.835
4802m

Wegpunkt
S 16 18.583 W 71 24.785
4920m

Wegpunkt
S 16 18.487 W 71 24.702
5046m

Wegpunkt
S 16 18.439 W 71 24.680
5119m

Wegpunkt
S 16 18.281 W 71 24.592
5426m

Grat am Krater
S 16 18.016 W 71 24.566
5667m

Gipfel
S 16 17.790 W 71 24.636
5825m

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1 Response

  1. Anna & Jesus sagt:

    Hallo Metti,

    mein Freund und ich wollen uns im September nach Peru aufmachen und sind über Google Earth zu deinem Blog gekommen, welches wir gerade mit Interesse lesen. In diesem Zusammenhang wollten wir dich fragen, mit welchen Guides / Agenturen du deine Tour zum El Misti und im Canon del Colca gemacht hast…soweit du sie empfehlen kannst. Wie hast du gebucht ? Vor Ort oder bereits aus Deutschland ?

    Wir würden uns freuen,von dir zu hören, um ein paar Tips vom „Fachmann“ zu erhalten 😉

    Besten Dank und schönen Gruss,

    Anna & Jesus

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