Mein Suedamerikagefuehl ist wieder da … ;-)

Hola,

der Hausberg ist bestiegen!
[inspic=52,left,gal,100] Nachdem wir unser Vorhaben vertagt hatten und ich trotzdem NICHT in meinem Mathe-Skript geblättert habe, haben wir es dann am nächsten Tag nocheinmal versucht. Diesmal haben wir uns den Weg noch einmal genauer erklären lassen. Trotzdem sind wir ziemlich rumgegurgkt und haben den Weg nur ungefähr gefunden. Das hängt vor allem damit zusammen, dass die Region dort oben touristisch noch nicht sonderlich gut erschlossen ist. Aber nach vier Stunden leichtem Bergauf haben wir dann das ersehnte Kreuz und die Flagge des Gipfels erreicht. Dass der Weg nicht ganz so leicht war äußerte sich vor allem darin, dass ich die gesprächigste Frau der Welt beim Aufstieg zum Schweigen gebracht habe :-P. Oben angekommen stellte ich fest, dass ich mich in der Höhe etwas verschätzt hatte. Es waren nicht knapp 3800m sondern knapp 4000m. Dafür wurden wir aber mit einer tollen Aussicht belohnt. Eine Aussicht über Putre, die weißen und braunen Berge sowie der Blick zum 80km entfernten Meer, welches sich im Küstennebel befand. Der Abstieg war dann wieder eine Meisterleistung der Orientierung. Wir haben geglaubt, von oben einen Weg zu erahnen. Es stellte sich als Fehlinterpretation heraus und endete in wildem OffRoad-Hiking hinunter zum Fluss. Unten angekommen habe ich erstmal meine heiß gewordenen Füße im Gebirgsbach abgekühlt (und leicht vereist). Beim restlichen Weg konnte man dann sehen, wo die ach so sauberen Chilenen ihren Müll entsorgen. Ein Weg mit Glasscherben, Tüten und anderem Unrat säumte und ebnete uns den Weg.
Ein weitere kalte Nacht schloss sich an. Da ich in meinem Zimmer keine Heizung hatte, sank die Temperatur wieder auf ca. 11ºC ab und erschwerte mir am Morgen das an sich schon nicht ganz leichte Aufstehen. Bevor mein Bus dann 14:00 abfuhr hatte ich noch Gelegenheit ein bischen mit meinem Buch auf der Plaza zu entspannen und an Postkarten zu denken. Denken war schon viel. Eine zu bekommen war schon richtig schwer. Bei der Postkarten-Liesl hatte ich dann eine bekommen. Aber wie stehts mit der Post in einem 1000-Seelen-Dorf? Nach vielem Hin- und Her entschied ich mich, meine Post mit nach Arica zu nehmen.
[inspic=54,right,gal,70] Ich hatte eine EMail von Bernardo bekommen, dass ich einfach zur Plaza gehen sollte und sein Bruder mich in Empfang nehmen würde und mit mir eine Bleibe für die Nacht suchen würde. Nunja, die Bleibe war dann sein zuhause. Eigentlich wünsche ich mir mehr solche nette Menschen wie seine Familie. Ich wurde so herzlich empfangen und aufgenommen, dass es mir schon fast peinlich war. Kaum habe ich bspw. versucht, meinen Teller aufzuräumen, wurde ich belehrt, dass ich das nicht machen muss. Es ist schon eigenartig: Dieser Familie geht es nicht schlecht, aber ist weit entfernt von deutschem Lebensstandard. Und trotzdem ist sie total zufrieden und glücklich mit ihrem Leben. Manchmal ist es nicht schlecht, sowas als reicher Deutscher mal zu erleben. Noch dazu wurde ich zu allem eingeladen. Ich war mit meinem Geld für das Collectivo bspw. immer zu langsam. Ich bin von dieser außerordentlichen Gastfreundschaft überaus begeistert. Es tat mir sehr leid, dass ich in meinem Rucksack keinen Platz für ein Gastgeschenk hatte. Das werde ich aber nachreichen.
Am nächsten Morgen kam dann Bernardo und hatte sich einige Gedanken für den Tag gemacht. Vormittags sind wir dann auf Mountainbikes und zusammen mit seinem Bruder in das sogenannte Azapa-Tal gefahren. An den Berghängen sieht man immer wieder sehr beeindruckende Geoglyphen von vergangenen Kulturen. Schließlich sind wir an einem Museum angekommen, dass (sogar in deutsch !) sehr ausführlich über die Tiwanaku-Kultur informierte. Von Mumien bis hin zur Lebensweise war alles dabei und obwohl man Krüge in Südamerikas Museen nicht selten nennen kann, hatte der Inhalt doch ein gutes Maß.
Nach dem Essen und einer kurzen Pause zum durchatmen hatten wir noch etwas anderes spannendes vor: Es gibt etwa 10km südlich von Arica einen sehr schönen Strand mit allerlei Tieren, Höhlen und einer schönen Brandung. Auf dem Weg dahin ist mir wieder bewusst geworden, dass Bernardo die ganze Stadt kennt. Man kam kaum einige Meter, bis ihn wieder jemand grüßte. Wir trafen auch zwei ältere Herren. Einen von beiden kannte er wieder und nach einem kurzen Gespräch stellte sich heraus, dass der andere ein großes Auto besaß. Wir legten für das Benzin zusammen und fuhren zu viert zu besagtem Strand. Es stellte sich heraus, das der andere (im folgenden Freddy) Andenist war (oder ist?) und als einziger den sandigen Morro (den Hausberg von Arica) ohne Sicherung bestiegen hatte. Es gab in seiner Wohnung auch noch ein etwas verblichenes Foto von diesem Ereignis. Unterwegs nahmen wir noch vier Empanadas mit (der Döner des Meeres mit Meeresfruechten und Muscheln) und ich musste feststellen, dass mir Maritimes doch schmeckt. Naja, ich esse ja sowieso fast alles außer Sülze ;-).
[inspic=55,left,gal,100]Ich wurde von dem Strand nicht enttäuscht. Freddy stellte sich als sehr belesen heraus und zeigte uns und insbesondere mir einige Lebewesen des Meeres und führte uns durch die Höhlen.
Wir gingen etwas zügiger um noch an eine schöne Stelle zu gelangen, die Touristen bei ihren Touren sonst verborgen bleibt. Und so sahen wir den Sonnenuntergang begleitet vom Geheul der Seelöwen. Da die Sonne bereits untergegangen war, wurde der Rückweg sehr dunkel. Insbesondere mussten wir noch durch eine tunnelartige Höhle, in der die Nacht ihr schwarz bereits ausgebreitet hatte. Mein Feuerzeug half uns den Weg erahnen.
Wir entschlossen, anschließend noch auf den Morro hochzufahren und einen traumhaften Blick über Arica bei Nacht zu genießen. Wirklich traumhaft. Der Hafen und die hell erleuchtete Stadt lagen uns zu Füßen. Wir schlenderten ein bisschen herum und sprachen über dies und jenes. Ein sehr schöner Abend.
Heute morgen musste ich dann schon nach La Paz aufbrechen, obwohl sich die Familie von Bernardo vermutlich genauso schwer von mir wie ich von ihr trennen konnte.
Nach einer langen Fahrt mit Zwangspause an der Grenze zu Bolivien konnte man dann die Kordilleren erahnen, die La Paz umgeben. Je näher wir kamen, desto höher und klarer wurden die weißen Riesen. Als wir La Paz erreichten konnte ich nachvollziehen, was in meinem Reiseführer steht. Sie schreiben da, dass die Stadt ein etwas inhomogenes Bild abgibt. An den Hängen klettern die Bretterhütten hinauf und im Zentrum erheben sich kleine Wolkenkratzer, die die Stadt sehr geschäftig wirken ließ. Mit meine Einschätzung „geschäftig“ lag ich vollkommen richtig. Ich wurde an Lima erinnert. Bloß scheint der Verkehr und das Leben noch einen Zacken chaotischer zu sein. Hier konkurrieren nicht nur Autos wie verrückt um jeden Meter Straße. Auch Fußgänger tummeln sich hier auf den Straßen wie in einer Fußgängerzone. Im Prinzip ist dass meine Vorstellung von einer südamerikanischen Stadt und mein Gefühl ist wieder zurück. Zu meinem Hotel habe ich ein offizielles Taxi genommen. Am Steuer war ein etwa 14-jähriger, der eins verdammt gut konnte: Autofahren. Irre!
Im Hotel habe ich dann wieder meinen dresdner Freund getroffen, mit dem ich schon in Arequipa den Misti bestiegen habe. Wir werden morgen einen 3-Tage-Trek namens Choro machen. Ich freu mich schon riesig drauf. Mein heutiges Abendbrot war dann ein Whopper-Menu, ich hatte keine Lust auf Experiment und tatsächlich ist es wie mit McD: es schmeckt überall identisch.
Für diejenigen, die sich für meine GPS-Daten und Fotos interessieren: Leider bieten sich hier nur etwas heikle Möglichkeiten, die Daten ins Netz einzuspeisen. Ich werde sie aber bestimmt bald nachreichen.

Dann machts erstmal gut, Matthias

GPS-Daten:

Wanderung zum Hausberg von Putre:
Wegpunkt 1:
S 18 12.488 W 69 34.237
3635m

Wegpunkt 2:
S 18 12.810 W 69 34.196
3778m

Gipfel
S 18 12.556 W 69 33.347
3981m

Wegpunkt 3:
S 18 12.441 W 69 33.532
3699m

Wegpunkt 4 (tiefster Punkt am Fluss):
S 18 12.215 W 69 33.743
3443m

Museum im Azapa-Tal (nahe Arica)
S 18 30.972 W 70 10.858
258m

Strandspaziergang in Arica:
S 18 33.906 W 70 20.323
142m

Zuhause von Bernardo:
S 18 28.778 W 70 17.620
66m

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1 Response

  1. Holger Männich sagt:

    Hola Matthias,
    nachdem wir nun mehrere Tage vergeblich Mettis Blog aufgeklappt hatten, endlich wieder ein interessantes Lebenszeichen von dir! Wir sind immer sehr gespannt auf deine Schilderungen.
    Ich glaube dir sofort die Rückkehr des Südamerikagefühls, gilt doch bei meinen chileerfahrenen Kollegen dieses Land als fast europäisch. La Paz kenne ich jedoch auch als sehr „latino“ und geschäftig wie Lima, nur hatte ich das Gefühl, dass man dort als Fußgänger sicherer ist und von den Autofahrern respektiert wird…

    Chao und liebe Grüße
    Papa

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