Neuerleben und Wiedererleben

Hi Ihr,

heute sind wir wieder aus dem Colca-Cañon zurück und was soll ich sagen? Phänomenal! Aber fangen wir vorne an:
Mein gestriger Morgen begann damit, dass die Dusche kalt geblieben war. Etwas treffender beschreibt es: „Ein frischer Bergquell ergoss sich mit hohem Druck und es gelang mir in kürzester Zeit, meinen Kopf taub zu duschen.“ Aushalten! Das Frühstück konnte wenigstens etwas entschädigen.
[inspic=26,left,gal,thumb] Wir warteten gestern mit deutscher Pünktlichkeit im Garten des Hotels auf unsere für 8:20 geplante Abholung. Die peruanische Abfahrtszeit war mit 8:50 geplant und es ging dann auch schon 9:10 los. Sensationell! Gleich zu Beginn stellte sich heraus, dass die Gruppe, die dieses Mal 2 Tage miteinander verbringen sollte, von vornherein schlechte Chancen für Homogenität haben sollte. Während der Guide ein paar einleitende Worte sprach, mischte sich eine englische Stimme nach und nach dazwischen. Ich vermutete zunächst, dass jemand eine Übersetzung „Spanisch-Englisch“ – Englisch versuchte. Tatsächlich stellte sich heraus, dass ein Amerikaner lautstark den Bus mit der Rückbestätigung seines Fluges unterhielt. Eigentlich eine Sache von einer Minute. Zumindest, wenn man am anderen Ende verstanden wird. Es dauerte. Nun denn kam es zu einer Vorstellungsrunde. Witzigerweise stellte sich ein Ägypter mit „Ich bin Rachel und kein Terrorist“ vor. Als ich ihn später fragte, sagte er mir, dass er die Vorurteile bei den beiden Amerikanern im Keim ersticken wollte. Wir lachten herzlich. Hinzu kam, dass die beiden Amerikaner (zumindest der eine) ziemlich abartige Manieren an den Tag legten. Um in Ruhe über die beiden zu lästern, waren es fortan „die beiden aus dem Land nördlich von Mexiko“. [inspic=27,right,gal,thumb]Schon während der Fahrt konnte man spüren, dass hier momentan Hochsaison ist. Da hilft nur pures Ignorieren. An allen schönen Punkten hielten bereits Touristenbusse und deren Gäste säumten die Straßen.
[inspic=28,left,gal,thumb] Ich war die ganzen zwei Tage geneigt, Vergleiche zum letzten Mal zu ziehen. Ein erster Unterschied war natürlich die Flora, die sich in dieser Jahreszeit nicht saftig grün sondern verbrannt gelb präsentierte. Nur ein wenig weniger Reizvoll. Allerdings war die Fauna dafür umso aufgeweckter. Ganze Herden von den sonst so seltenen Vicuñas konnte man am Strassenrand beobachten … zumindest bis unvorsichtige Touristen die Tiere verscheuchten. Auch das Wetter zeigte sich dieses Mal von seiner besten Seite. Azurblauer Himmel mit vereinzelten Wolken. Lediglich die Fernsicht war ein bischen trüb. [inspic=29,right,gal,thumb]Über der Patapampa-Pass fuhren wir ins schöne Tal Colca. Und wieder war der Vergleich mit „Mittelerde“ nicht weit hergeholt. Endlose Flächen mit vereinzelten Dörfern.
[inspic=31,left,gal,thumb] Schließlich erreichten wir unser Hotel, welches inmitten eines mittelalterlich wirkenden Dorfes wie ein bürgerliches Landhaus wirkte. Mit Vorsatz haben wir eine etwas teurere Tour gebucht. Ein Grund war die Abgeschiedenheit der Nacht-Residenz. Hier im Vordergrund die Abgeschiedenheit von anderen Touristen, die mit dem Mainstream im wenig reizvollen Chivay übernachten. Eine kleine Wanderung bat etwas Abwechslung zur Autofahrt. Am späten Nachmittag fuhren wir – wie alle Touristen – in eine nahegelegene Therme. Mit 38°C Wassertemperatur gelang es mir, auch die letzten Stellen meines Kopfes, die vom morgendlichen Wassertraum vereist waren, aufzutauen. Am Abend gelang es mir zwar nicht, das Cruz del Sur (Kreuz des Suedens) am klaren Nachthimmel zu entdecken, jedoch hatte ich mehr Glück bei einer abendlichen Pokerrunde, zu der mich einige Deutsche vorort einluden. Kurzum: Ich hab sie beim Texas Hold’em richtig ausgenommen. Mit etwas Glück und All-In in der letzten Runde, versteht sich.
[inspic=32,right,gal,thumb] Ein atemberaubender Tag stand bevor. Dazu mussten wir unser traumhaftes Nachtquartier aber schon 06:30 verlassen. Aber wie auch beim letzten Mal, entschädigte der Blick auf die Berge am Horizont, die langsam vom Sonnenlicht erfasst wurde, für die Qualen des zeitigen Aufstehens, welches bekanntlich nicht meine Stärke ist.
Nach einigen Zwischenstops erreichten wir den Punkt, den Wohl jeder Arequipa-Gast einmal erreicht. So schien es zumindest. Von Ferne erinnerte die Menschenansammlung an eine Vogelkolonie, die sich auf Gipfeln und Hängen erholte. Aber wenn man das Naturspektakel am „Cruz del Condor“ einmal miterlebt hat, kann man dieses Verhalten voll und ganz nachvollziehen. Zur frühen Morgenstunde erheben sich dort die mächtigen Andenkondore vom Boden, lassen sich von der Thermik in die Höhe treiben und gleiten schliesslich zum Meer um am Abend wieder hier ihr Nachtlager zu finden. Bei meinem letzten Besuch vor eineinhalb Jahren waren die Kondore eher rar. [inspic=33,left,gal,thumb]Dieses Mal konnte man sie in kleinen „Familien“ erleben. Traumhaft. Ich hoffe, dass das ein- oder andere Foto dieses Gefühl vermitteln kann. In den nächsten werde ich mal versuchen, welche zum Anschauen bereit zu stellen.
Anschließend sind wir noch am Rand des unglaublich tiefen Cañons entlang gewandert. [inspic=34,right,gal,thumb]Eine Augenweide, die sich eigentlich nicht in Worte fassen lässt.
[inspic=35,left,gal,thumb] Auf dem Rückweg führte uns der Weg wieder an Chivay vorbei. Wie aus dem Nichts zogen sich die Wolken bedrohlich zusammen und man hatte das Gefühl, dass es jeden Moment wolkenbruch-artig losregnen müsse. Der Misti hatte zeitweise Nebelschwaden über seinem Gipfel, die ihn als sehr aktiven Vulkan aussehen liessen. Der Rest der Rückfahrt war eher dem Dahindösen gewidmet, welches nach den stetigen Anstrengungen durchaus naheliegend war.
Morgen werden wir noch einen gemeinsamen Tag zu dritt verbringen, wobei die Pläne für morgen aber noch konkretisiert werden müssen. Ab Samstag werde ich dann alleine weiterreisen. Mein Pläne zielen momentan noch auf eine Besteigung des Misti. Allerdings bin ich da vom Wetter abhängig. Mal schaun.

Bis später,

Matthias

ein paar Daten unserer Tour:
Haltepunkt
S 16 10.381 W 71 38.871
3121m

Vicuñas
S 16 04.587 W 71 29.247
4082m

Baude mit Mate de Coca
S 16 02.632 W 71 24.172
3990m

Haltepunkt
S 15 50.994 W 71 26.653
4356m

Haltepunkt
S 15 46.425 W 71 33.555
4782m

Pass Patapampa
S 15 45.122 W 71 34.947
4948m

Hotel Mamayacchi
S 15 37.786 W 71 38.788
3572m

Maca
S 15 38.421 W 71 46.117
3345m

Cruz del Condor
S 15 36.668 W 71 54.359
3798m

tiefster gesehener Punkt am Cañon (1200m tief)
S 15 36.438 W 71 53.694
3766m

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