Zwischen Gletscher und Dschungel – El Chorro Trek

Hola,

[inspic=58,left,gal,100]wir sind gestern von unserem 3-Tage-Trek zurückgekehrt. Vorvorgestern sind wir also zu einem Trek aufgebrochen, der kein Spaziergang werden sollte und das obwohl ich nicht all zuviel Trekking-Erfahrung mitgebracht habe. Der Start war zunächst etwas verpatzt. Weil wir Geld sparen wollten haben wir zu unserem Ausgangspunkt kein Taxi genommen sondern einen Bus, der „ahorita“ (in wenigen Sekunden) losfahren wollte. „Ahorita“ hat in Südamerika aber vermutlich eher die Bedeutung „asap“ (as soon as possible). Nachdem wir ungeduldig eine Stunde im Bus gewartet hatten fuhr dieser dann im Schneckentempo los und wir erreichten unser erstes Ziel an diesem Tag erst gegen 11:30. Es hieß nun sputen, da eine Gehzeit von 6-7 h veranschlagt war, die Sonne aber das Finden eines Zeltplatzes schon 18:00 unmöglich macht.[inspic=59,right,gal,100] Wir waren also auf 4700m angekommen und hatten zunächst einmal noch reichlich 100 Höhenmeter bis zu einem Pass vor uns. Relativ schnell erreichten wir dann die höchste Stelle unseres Treks: Abra Chucura 4859m. Wir sahen kalte Wolken das Tal hinaufsteigen, welche eiskalte feuchte Luft mit sich brachten. Von da an war ein ständiges Bergab beschrieben. Und zunächst war das auch so. Knapp unter den Wolken gehend, welche sich langsam senkten, wanderten wir Schritt für Schritt in die Tiefe hinab. Oben auf dem Pass hatte man eine herrliche Sicht auf die umliegenden zum Teil mit Schnee bedeckten Gipfel. Je weiter wir abstiegen desto weniger weit konnte man blicken aber umso mehr nahm die Vegetation zu. Nach ein paar Stunden war Mittagspause. [inspic=61,left,gal,70]Lecker! Aber weil wir nicht mehr abstiegen sanken die Wolken weiter und umgaben uns mit eiskalter Luft. Also Mütze und Handschuhe raus und weiter! Da wir recht zügig unterwegs waren, erreichten wir den Kontrollposten des Nationalparks schneller als geplant. Später fing es dann an zu regnen und ich erinnerte mich, dass ich das letzte Mal Regen in Deutschland gehabt habe. [inspic=62,right,gal,100]Auf alles vorbereitet zog ich mein Cape an, welches die nächsten Tage für den Running-Gag schlechthin sorgen sollte. Da ich das Cape über den Rucksack zog und außerdem noch eine Aymara-Mütze aufhatte, sah ich in den Augen meines Begleiters wie eine Aymara-Frau aus … und ein wenig muss ich ihm recht geben.
[inspic=65,left,gal,100] Nach ein paar Stunden konnten wir den Zeltplatz sehen. Wir entschieden uns richtigerweise etwas oberhalb zu campen, um den MainStream-Touristen aus dem Weg zu gehen. Das Zelt war diesmal schneller aufgebaut als am Misti und weil wir im Vorzelt unseren Reis kochten noch dazu richtig schön warm. Einen kleinen Nachteil hatte das wilde Zelten aber: Am nächsten Morgen konnten wir uns kaum vor kleinen Mücken retten, die zwar nur so groß wie Obstfliegen waren, aber richtig fies zubissen. Wenn es Eintagesmücken waren, dann hatten sie ein äußerst erfülltes Leben.
[inspic=68,right,gal,100] Während wir weiter dem Weg folgten, überholten wir einige andere Touristengruppen und ihre Rucksackträger. Irgendetwas an unserem Essen regte unsere Verdauung derart an, dass man dies kaum überhören konnte. Es sollte sich noch bis zum nächsten Tag halten. Am nächsten Tag sollte uns eine ganz außergewöhnliche Natur erwarten. [inspic=75,left,gal,100]Inka-Pfade durch dichten Dschungel waren unser Weg. Entlang an zahlreichen Riffen sahen wir aber nicht nur gewachsenen Urwald. [inspic=72,right,gal,100]Eine sehr große Fläche Regenwald war in diesem Jahr durch einen Großbrand zerstört worden. Nach zahlreichen Anstiegen, Abstiegen und Flussüberquerungen fanden wir nach 8 Stunden zügigen Wanderns unser Nachtlager bei einem alten Japaner, der Touristen in seinem sehr schön gestalteten Garten campen lässt. [inspic=76,left,gal,100]Eigentlich war die Strecke mit 9-10h Gehzeit angegeben. Da wir sie aber in kürzerer Zeit absolviert hatten, waren wir dementsprechend ausgelaugt. [inspic=77,right,gal,100]Eine große Portion Nudeln und zwei große Bier trugen sehr entscheidend zur Erholung bei. Da wir inzwischen nur noch auf etwa 2000m Höhe waren, waren die Temparaturen dementsprechend mild. Als es dunkel geworden war konnte man rings um uns nicht nur die Sterne sondern auch zahlreiche Glühwuermchen funkeln sehen.
[inspic=78,left,gal,100]Ein traumhafter Morgen erwartete uns. Das Wetter war sonderbar klar und in der Ferne sah man, wie die Sonne begann, das Tal mit ihrem Schein zu fluten. Nach einer halben Stunde wurden auch wir von ihr gewärmt und das Müsli mit Trockenmilch und Honig wurde gleich viel leckerer. Die letzte Etappe unseres Treks war relativ kurz. Ein zweistündiger Abstieg in die Stadt Chairu, welche auf 1300m liegt, war noch zu bewältigen. Danach musste man sich Camionetas herbeiwünschen, die einen erst nach Yolosa und dann wieder nach La Paz befördern. Wir hatten großes Glueck und hielten einen Bus an, der direkt über die neue Trasse nach La Paz fuhr. Fazit: Knapp 60km und 3500m Abstieg in den Dschungel, die auf keinen Fall nur ein Spaziergang waren, trotzdem richtig viel Spaß gemacht haben.
Zur sogenannten „neuen“ Strasse: Sie ist die Alternative zur sogenannten „Death Road“, welche als die gefährlichste Straße der Welt gilt; eine Schotterpiste die nur selten Platz für mehrere Fahrzeuge nebeneinander bietet und welche direkt an Abgründen von mehreren hundert Metern vorbeiführt. Die neue Strasse sollte sicherlich einmal der Stolz Boliviens sein. Eine Riesentrasse wurde in den Hang gezimmert. Man hatte lediglich vergessen, dass der Hang größtenteils aus ständig abrutschendem Material besteht. Infolge dessen ist die Straße eine ewige Baustelle, die durch immer wiederkehrende Erdrutsche sicherlich so schnell nicht fertig wird.
Heute morgen habe ich mir das Valle de la Luna angeschaut, eine durch Erosion geschaffene Landschaft mit skurrilen Sandgebilden. Sehr sehenswert!
Morgen werde ich mit dem Mountainbike die DEATH ROAD herunterfahren, 65km Fun, so hoffe ich doch ;-).

Außerdem habe ich gerade noch einen ganzen Packen Fotos online gestellt. Auch um die GPS-Daten werde ich mich jetzt noch kümmern.

Machts gut, Matthias

GPS-Daten:
S 16 20.336 W 68 02.362 4659m (Ausgangspunkt)
S 16 19.317 W 68 03.246 4872m (Pass)
S 16 17.896 W 68 03.513 4192m
S 16 17.341 W 68 03.290 4074m
S 16 16.058 W 67 59.865 3293m
S 16 15.396 W 67 59.001 3017m (erstes Camp)
S 16 14.996 W 67 58.921 2808m (Touri-Camp)
S 16 13.199 W 67 57.200 2230m (Choro)
S 16 12.901 W 67 57.083 2190m (erste grosse Bruecke)
S 16 13.076 W 67 56.529 2250m
S 16 13.390 W 67 55.366 1977m
S 16 13.261 W 67 52.583 1973m (zweites Camp)
S 16 12.606 W 67 51.112 1619m
S 16 12.229 W 67 50.143 1271m (Chairu)
S 16 12.312 W 67 47.473 1147m (Ende des Treks)

Valle de la Luna (nahe La Paz):
S 16 34.005 W 68 05.647
3313m

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