Ganz viele Eindrücke …

Hola,

wir sind nun seit 22 Stunden in Lima.

Ich bin das erste Mal hier in Lima, das erste Mal in Südamerika, überhaupt das erste Mal in meinem Leben außerhalb von Europa. Deshalb überlies Matthias mir die große Ehre, den ersten Eintrag aus Peru zu verfassen.

Matthias‘ heutiger Blogeintrag würde wahrscheinlich lauten: „Flug mit lecker Essen, nerviges Warten mit noch nervigeren Hintermenschen aus Hessen beim security check in Atlanta, sensationell bequeme Schlafposition beim nur zu 40% ausgelasteten Flug von Atlanta nach Lima. Ankunft in Lima. In Lima alles beim Alten – sehr viel Verkehr, große Dunstwolke, nachts Nieselregen, … „

Bei mir schwirren grad ganz andere Eindrücke in meinem Kopf herum. Vieles sieht man doch ganz anders, wenn man es das erste Mal vor Augen hat. Kaum möglich, alles so schnell zu verarbeiten. Es schießt förmlich auf einen ein… da kann man doch ein bisschen nachfühlen, wie sich Menschen mit Autismus fühlen… völlige Reizüberflutung… Aber einfach mal der Reihe nach:

Nach anstrengender Autofahrt zum Frankfurter Flughafen klappte mit dem Flug nach Atlanta alles problemlos. Ich kam mir nur etwas eingesperrt vor, da ich genau in der Mitte von der 3er-Sitzreihe in der Mitte des Flugzeugs saß und links und rechts jemanden neben mir sitzen hatte und auch keinerlei Möglichkeit, aus dem Fenster zu schauen. Ich saß also einfach nur da und verbrachte die Zeit mit Schlafen (zum Lesen war ich viel zu müde) sowie mit Essen und Trinken. Schon erstaunlich, was man innerhalb von nur 9h in sich hineinstopfen kann… und wie oft ich eingeschlafen und wieder aufgewacht bin…

Die Sitzposition hat sich auf dem zweiten Flug erheblich verbessert, man könnte schon fast sagen, sie war perfekt. Da der Flug nur zu ca 40% ausgebucht war, hieß es „freie Platzwahl für alle“ und ich setze mich alleine auf einen 2er Sitz mit Fenster. Ich hab die erste Hälfte des Fluges genutzt, um aus dem Fenster zu schauen. Genial, wie die Welt von oben aussieht. In den USA war alles sehr geradlinig und durchgeplant. Ich habe eine Straße gesehen, die soweit man blicken konnte geradeaus ging – kerzengerade, als hätte jemand mit einem Lineal einen Strich auf die Karte gezeichnet. Lediglich an einer Stelle war ein Schlenker, aber genau so, dass der Rest der Strecke parallel zu dem Teil vor dem Schlenker verlief. Kein Kommentar. Ansonsten war er sehr schön, entlang der Küste zu fliegen. Bei wolkenfreiem Himmel konnte man viele schöne Blicke auf die Inselwelt und auf das Meer, das sogar teilweise richtig türkisblau war, erhaschen. Auch bei Wolken war das Rausschauen faszinierend: ein richtiges Wolkenschauspiel mit hohen, niedrigen, schnellziehenden, hellen, dunklen, großen, kleinen, Schicht-, Haufen-, Feder-, von der Sonne angeleuchteten Wolken etc. spielte sich vor meinen Augen ab. Richtig interessant wurde es, als wir in der Nähe von einem Gewitter flogen. Die Blitze sahen aus dieser Perspektive fast noch beeindruckender aus als von der Erde aus gesehen. Ich glaub‘, mir gefällt die Fliegerei :).

Matthias verbrachte (abgesehen vom Essen natürlich, man darf ja nix verpassen ;-)) den ganzen Flug mit Schlafen und als nach ca. der Hälfte der Flugzeit vor meinem Fenster die Sonne weg und somit alles dunkel war, tat ich es ihm gleich. Auf den zwei Sitzen konnte ich mich sehr bequem hinlegen und richtig gut bis zur Ankunft in Lima durchschlafen. Am Flughafen warteten schon Matthias‘ Eltern auf uns und dann ging es nur noch ab ins Bett – ungefähr um 1 nach peruanischer Zeit mit noch gefühlter dt. Zeit 8 Uhr morgens.

Heute bin ich erstaunlich gut aufgewacht, vom Jetlag nichts zu spüren, und konnte mich schon an den gedeckten Frühstückstisch setzen. Es gab frischgepressten Orangensaft – einfach lecker. Danach haben wir erstmal aus- und umgepackt und nach dem zeitigen Mittagessen sind wir dann mit Matthias‘ Vater in die Altstadt von Lima gefahren. Allein die ca. halbstündige Autofahrt dahin war schon ein Abenteuer. Letzte Nacht habe ich auf den verhältnismäßig leeren Straßen gar nicht so viel von dem Verkehr mitbekommen. Ich war zu müde und habe nur hier und da eine Leuchtreklame wahrgenommen. Heute jedoch war mein Blick hauptsächlich auf den Verkehr gerichtet. Es hat nicht lange gedauert, bis ich verstand, warum man hier unbedingt ein Hupe braucht. Die Straßen sind übervoll, Sicherheitsabstand zwischen den Wagen existiert nicht, es sind immer viele Spuren nebeneinander, ständiges Spurenwechseln (oft so knapp, dass ich wahrscheinlich ständig vor Schreck auf die Bremse treten würde), meistens wollen die auf der rechten Spur links abbiegen und die ganz links doch geradeaus fahren, Blinker werden nur gelegentlich benutzt und zum Teil auch gekonnt ignoriert… – als wirkungsvolles Kommunikationsmittel dient in diesem Gewirr also nur die Hupe, sie ist sozusagen überlebenswichtig und hat einen großen Vorteil gegenüber dem Blinker: sie ist nicht stumm, da hilft auch kein Wegsehen. Es ist wie ein richtiges Hupkonzert, was einen den ganzen Tag in Lima begleitet. Dazu kommt noch der Dunst, der über der Stadt liegt.

Heute war es bewölkt (typisch für diese Jahreszeit) und es sah alles grau und dreckig aus. Als müsste alles mal richtig gesäubert werden. Leider sieht man durch diesen Dunst nicht, wie schön die Umgebung von Lima ist. Die Berge kann man nur erahnen und von der Küste weiß man nur, wenn man schon mal Lima auf einer Karte betrachtet hat. Wir sind dann ein bisschen durch die Straßen der Altstadt gelaufen. Es war überall ein reges Treiben. Man merkt richtig, dass sich das Leben hier noch auf der Straße abspielt. Ich war die ganze Zeit damit beschäftigt, nach vorn, oben, links, rechts zu schauen. Überall gab es soviel zu sehen. Zweimal wäre ich sogar fast umgeknickt, da ich überall hingeschaut habe, nur nicht auf den Weg und Unebenheiten übersah… Lustig fand ich die Kindergartenguppen auf dem Plaza Mayor. Die Erzieherinnen hatten alle eine Schürze an, wie ich sie nur von alten (Haus-) Frauen kenne, und auch einige der Kinder trugen einen Einheitsregenmantel mit Namensschild. Den Plaza Mayor habe ich übrigens nur untypisch kennengelernt: er war für den Verkehr gesperrt und es wimmelte von Polizei, da sich im Palacio de Gobierno scheinbar etwas Wichtiges abspielte. Wir haben uns dann noch die Catedral de Lima angeschaut und sind dann wieder zurück.

Wieder zurück „daheim“ haben wir den restlichen Nachmittag und den Abend ganz gemütlich in Familie verbracht. Ein bisschen ausspannen. Ich bin ein bisschen geschafft. Dann gleich heißt es ja auch schon wieder Rucksack packen, da es bereits morgen früh weiter nach Huaraz geht.

Bis dahin,

Franziska

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2 Responses

  1. Clara sagt:

    Ihr Lieben,
    das klingt so eindrücklich, was aus der fernen Welt zu meinem Computer dringt! Ich wünsche euch eine weiterhin beeindruckende, erlebnisreiche und spannende Zeit! Ich sitz hier und versuche mich auf meine Magisterarbeit zu konzentrieren – einfach ist’s nicht, besonders nach der schönen Kletterrüstzeit, doch am Sonntag geht’s noch für eine Woche zum Dachstein! Danach zurück vor Bücher und PC. Dann freu ich mich aber auch auf die nächsten Berichte von euch!
    Seid umarmt von
    Clara

  2. Alex sagt:

    Hey ihr zwei, wie geht es euch? Schreibt mal nur – wenn moeglich – ne kurze Nachricht, dass alles okay ist!

    Liebe Gruesse, Alex

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