Safari heisst auch nur ‚Reise‘

Vor lauter ‚Erleben‘ komme ich gar nicht recht zum Schreiben. Dennoch habe ich gerade mal etwas Zeit in Nairobi und tippe diese Zeilen. Ist es mir doch sehr wichtig, die Höhepunkte der Reise niederzuschreiben, wenngleich hier auch ein Höhepunkt den nächsten jagt.

Ganz touristisch habe ich mir also gleich zu Beginn eine ‚Safari‘ gegönnt. Da Safari das Suaheli-Wort für Reise ist, darf hier auch alles Safari heissen, was sich ausserhalb der Unterkunft abspielt. Nichtsdestotrotz bin ich auf eine solche Safari gegangen, die man sich landläufig im Deutschen unter dem Wort vorstellt. Mit dem halboffenen Jeep, einem dämlichen Hut und bewaffnet mit Fernglas und Kamera durch den Busch heizen und dabei allerlei wilde Tiere direkt in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten.

Da ich mit meinem Fahrer komplett alleine war, hatte ich auch die Möglichkeit, immer und überall anzuhalten und natürlich auch beliebig lange zu bleiben, um laenger zu beobachten und dann schliesslich das Foto zu bekommen.

Fünf Tage sollten es werden und einer spannender als der andere. Fast jeden Tag ein anderer Nationalpark und fast jede Nacht im Zelt. Angefangen haben wir mit Tsavo East. Unmittelbar an der Küste gelegen ist er die Heimat der Big Five: Löwe, Leopard, Elefant, Nashorn und Büffel. Und direkt hinter dem Parkeingang konnte ich den ersten Haken hinter Gepard machen. Gleich eine ganze Familie kreuzte unseren Weg. Anscheinend waren sie auf der Jagd, denn sie liefen geduckt durch das halbhohe Gras, sodass ich sie auch recht schnell nicht mehr gut enttarnen konnte. Vielleicht hat die Mutter aber auch einfach nur einen Kurs ‚anschleichen‘ gegeben.

Anders als sonst ueblich sind wir aber den ganzen Tag mit dem Jeep unterwegs gewesen. Nur mittags haben wir kurz ein paar Sandwiches verdrueckt. Ueblich ist wohl ein morgendlicher und ein nachmittaeglicher sogenannter ‚Game Drive‘. Wenn einem aber ganztags die warme Luft um die Haare wehen kann, waehrend man oben auf dem Jeep sitzt, kann ich eigentlich nicht verstehen, wieso das nicht alle so machen.

Im weiteren Verlauf des Tages wurde auch deutlich, weshalb Tsavo als Heimat der Elefanten gilt. Unzaehlige Herden kreuzten unseren Weg; teils vom Schlamm orange-rot in der Sonne glaenzend, teils ganz ohne Notiz zu nehmen am Strassenrand grasend. Besonders hat mich das Herdenverhalten beeindruckt: wie die Jungen geschuetzt werden, wie Entscheidungen fuer beispielsweise das Kreuzen der Strasse getroffen werden und wie koordiniert diese dann umgesetzt werden. Faszinierend! Ganz im Gegenteil zum Verhalten der Gnus. Das sind schon wirklich recht beschraenkte Tiere. :-)

In den folgenden Tagen setzten wir die Safari in den Parks Amboseli, Tsavo West und Taita Hills fort. So nah die Parks eigentlich aneinander sind, so unterschiedlich sind sie aber auch. Besonders beeindruckt hat mich dabei Tsavo West. Zwar ist es um einiges schwieriger, wilde Tiere nennenswerter Groesse zu beobachten. Allerdings ist es fuer mich der landschaftlich schoenste Park mit tollen Farben und grandiosen Aussichten. Vielleicht waere Amboseli mein Favorit geworden. Schliesslich ist er am Fusse des Kilimanjaro gelegen. Allerdings hat hartnaeckige Bewoelkung eine freie Sicht verwehrt. Also muss ich nun von der anderen Seite mal schauen, ob man da was sehen kann :-)

Die Zeltnaechte, die ich jedem nur empfehlen kann, empfand ich auch als wahres Erlebnis. In der ersten Nacht haben wir durchgehend die Loewen bruellen gehoert. Die Tatsache, dass die Zeltplaetze nicht eingezaeunt sind, macht die ganze Angelegenheit dann eigentlich recht spannend. Und so kam es dann, wie es kommen musste: nach der dritten Nacht oeffne ich mein Zelt und finde einen stattlichen Elefantenhaufen direkt vor meinem Zelt. Schade eigentlich, dass ich so fest geschlafen habe, dass ich vom naechtlichen Besuch nichts mitbekommen habe.

Mein Guide war nicht so 100% auf Camping eingestellt. Insbesondere das Kochen wir nicht seine Leidenschaft. So brachte er uns meisst in den nahe gelegenen Luxus-Lodges zum Essen unter. Fuer mich ok, allerdings hat dadurch etwas die Camping-Lagerfeuer-Athmosphaere gelitten. Nichtsdestrotrotz konnte man schoen sehen, wie hier das Bild des reichen Weissen gepraegt wird. Menschen geben fuer Luxus so undenkbar viel Geld aus, dass es einem schon fast uebel wird. Aber was echauffiere ich mich, sehe ich doch auf einer Safari hier mehr von Kenia als so mancher Kenianer in seinem ganzen Leben.

Nach vier Tagen fehlte dann immernoch der Haken hinter den Loewen. Lediglich aus weiter Ferne konnten wir am Abend eine Mutter mit drei Jungen beobachten, die auf den Sonnenuntergang warteten. Dann aber am letzten Morgen standen unverhofft ein stattliches Maennchen und zwei Weibchen einfach auf der Strasse herum. Nahezu unbeeindruckt von der wachsenden Schar von Jeeps und Toyoto-Sardinendosen, liefen sie ein paar Meter direkt vor meine Kamera in legten sich fuer ein morgendliches Nickerchen ins Gras. Ich haette mir nicht vorstellen koennen, dass das ein so erhebendes Gefuehl ausloest; kennt man Loewen und ihr Rumgeliege in unseren Breiten ja aus Zirkus und Zoo.

Insgesamt eine sehr lohnende Reise mit vielen tollen Momenten, von denen ich viele gar nicht wirklich in Fotos festhalten konnte.

 

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